Lösegeld für eine Leiche
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| Daten | Passwort | Status |
|---|---|---|
| Login-Name | OZ | ......OK |
| Team | Klausis Runner 2 | ......OK |
| Passwort | XXXXXXXXXXX | ......OK |
| Gewünschte Datenbank | OZ-2.04 | ......Zugriff gestattet |
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Es war Anfang März, der Himmel war immer noch Wolken verhangen und bei dem Wetter wollte man keinen Hund vor die Tür jagen, dumm nur manchmal das für uns Runner andere Regeln gelten. Ich hatte mich gerade vor dem Fernseher niedergelassen und dachte wehmütig an die schönen Tage auf Hawaii mit Jasminda zurück. Ich glaube heute abend werde ich wieder zu ihr gehen und schön mit ihr danach zum Essen. Die Kleine überarbeitet sich total und wenn man sie nicht zum Essen entführt würde sie das wahrscheinlich total vergessen.
Das Klingeln meines Comlinks riss mich aus dem Schlaf und am Klingelton erkannte ich, dass es eines der Teammember sein musste. Sollte es etwa jetzt ausgerechnet Arbeit geben ? Oh man, bitte nicht. Ich habe heute eigentlich keine Lust. Joe war dran, es gibt neue Arbeit. In 3 Stunden auf einer Straßenkreuzung soll der Kontakt stattfinden. Verdammt, das wird knapp aber ok. Gehe ich eben nur eine Stunde unter die Höhensonne um die Bräune vom Urlaub zu erhalten.
Ich war eine halbe Stunde eher da und sondierte die Lage. Die anderen kamen fast zeitgleich an und wir schwätzten ein wenig, hatten wir doch die letzten Wochen kaum was von einander gehört. Ich weiß ja nicht, wie es den anderen ging und niemand sprach das Thema an, aber der letzte Job steckte mir noch echt tief in den Knochen. Selbst jetzt kommen mir immer mal wieder die Bilder in meine Träume von den abgeschlagenen Köpfen. Manche Jobs sollte man einfach nicht machen und erst recht nicht für das Taschengeld, was wir bekommen haben.
Die heranrollende Limousine vertrieb diese Gedanken schnell aus meinem Kopf. Unser Johnson war da. Anders als sonst stellte er sich allerdings richtig vor und zwar als Herr Wenz – Geschäftsführer eines hiesigen größeren Sicherheitsunternehmens. Die Jobvorstellung umfasste dagegen wie immer nur die Eckpunkte. Sein Sohn war Opfer eines Attentates geworden, die Polizei hatte die Ermittlungen bereits eingestellt und den Fall geschlossen. Damit wollte sich Herr Wenz senior natürlich nicht zufrieden geben. Wir sollten alle Hintergründe des Mordes herausfinden. Die Bezahlung belief sich auf 5.000 ¥ plus Spesen und eine eventuelle Prämie bei umfangreichen Ermittlungen. Ok, war jetzt nicht so das Vermögen, aber was solls. Hörte sich nach einem leichten und nicht so risikoreichem Job an, den wir gut erledigen konnten.
Wir stimmten dem Job zu und fuhren zusammen mit Herrn Wenz zu seiner Firma, wo alle weiteren Details folgen sollten. Dort stellte er uns dann auch Herrn Schulte – seinen Sicherheitschef – und Herrn Rauner – Sicherheitsabteilung – vor. Diese beiden Personen sollten die einzigen sein, die in die Ermittlungen involviert waren und die uns mit Rat und Tat zur Seite standen.
Markus – der Sohn – führte scheinbar ein gemütliches Leben und brauchte nicht zu arbeiten und bekam auf Umwegen von seinem Vater immer wieder Geld zugeschoben, da der Sohn dem Vater wohl indirekt Schuld am Tot der der Mutter bei einem Flugzeugunglück gab und nichts mit ihm groß zu tun haben wollte. Markus war nach einem Besuch der Kneipe Gorky Park an einem parkendem Auto vorbeigegangen und durch eine im Auto platzierte Bombe gestorben. Der Leichnam wurde eindeutig als Markus identifiziert. In der Bar sollen sich Freunde von Markus regelmäßig treffen. Die Berichte der Augenzeugen, des Pathologen und der Hinweis auf die Freunde waren unseren ersten Anhaltspunkte. Zudem erhielten wir die Adresse von Markus, so dass wir uns auch in der Wohnung umsehen konnten.
Herr Wenz übergab uns Firmen-IDs mit denen wir auf das Gelände kamen und erklärte uns in welchem Umfang Herr Schulte und Herr Rauner uns bei der Arbeit unterstützen würden.
Da es für einen Kneipenbesuch noch viel zu früh war, beschlossen wir uns die Wohnung von Markus als erstes vorzuknöpfen. TAZ verschaffte uns elegant Zutritt und wir durchsuchten alles. Leider mit nur mäßigem Erfolg. Es war eine chaotische Junggesellen-Bude und außer einem Fotoalbum der Familie Wenz fanden wir nichts von Interesse. Das Album wollte ich dem Vater bei Gelegenheit übergeben.
Flipp und Joe sondierten danach die Lage im Gorky Park. Flipp gab sich als alte Freundin von Markus aus und bastelte sich eine erstaunlich gute Geschichte aus den Fakten zusammen die wir von Herrn Wenz bekommen hatten. So gelang es ihr viele Informationen von Markus – der hier nur Marx – genannt wurde zu erhalten. Scheinbar hatte er ein Techtelmechtel mit der Sandy gehabt, die sich auch in tiefer Trauer um den Verlust befand und sehr gesprächig war.
Bei dem Gespräch erhielt Flipp zwei interessante Informationen, zum einen dass Markus einem anderen Mitglied der Clique zum verwechseln ähnlich sah und dass sich Markus vor kurzem eine Datenbuchse hat einbauen lassen. Letztere Information war interessant, da im Autopsiebericht extra vermerkt war, dass bei der Leiche keinerlei Cyberware vorhanden war. Im Laufe des weiteren Gespräches erfuhr Flipp dann auch noch, dass Markus sich mit jemandem treffen wollte, der Informationen über die Todesumstände seiner Mutter hätte. Die Person hätte eine auffällige Tätowierung am Arm in Form einer schwertschwingenden Amazone.
Flipp zog sich nach einigen Drinks dann zurück um nicht zu sehr durch Fragen aufzufallen und wir besprachen uns im Wagen von Flipp. Am nächsten morgen besorgte TAZ einen DNA Scanner und ich statte Wenz senior einen Besuch ab. Über unsere Zweifel zur Identität der Leiche ließ ich erstmal kein Wort fallen, solange die Sache noch auf wackligen Beinen stand. Ich bekam nach einigen Nachfragen 10 Peilsender mit Mikrofon und ein entsprechendes Ortungs- bzw. Abhörgerät. Die ganzen Sachen waren High-End und sollten uns bei den Nachforschungen unterstützen.
Zusätzlich erhielten wir die Möglichkeit uns den Leichnam seines Sohnes im Bestattungsinstitut Miller anzuschauen. Dies war für uns besonders wichtig um von der Leiche eine DNA Probe zu nehmen. Aus der Wohnung des vermutlich nicht toten Sohnes entnahmen wir einige DNA Proben als Vergleichsmaterial und mussten dabei feststellen, dass mittlerweile jemand die Wohnung aufgebrochen und leer geräumt hatte.
Joes Kontaktmann aus der Vergangenheit bei der Armee konnte uns einige Informationen geben zu der Gruppe "Ritter der Valküren", die sich das Tattoo scheinbar ausgewählt hatten und so ihre Zusammengehörigkeit zeigten. Er warnte ihn aber davor sich mit den Waffennarren und Kriegsverrückten einzulassen. Er würde für uns mal versuchen einige Nachforschungen zu betreiben und sich später wieder bei uns melden.
Der nächste Tag brachte endlich eindeutige Beweise. TAZ und ich fuhren zum Bestattungsunternehmen und erhielten dank der Vorarbeit von Herrn Wenz auch sofort Einlass und konnten eine DNA Probe und Bilder von dem Gebiß nehmen, das TAZ mit den geklauten Daten aus der Zahnarztpraxis von Markus vergleichen wollte. Ich weiß zwar nicht warum, aber scheinbar hatte TAZ immer noch nicht verstanden, dass ich mich mit solchen Arbeiten schwer tue. Letztendlich öffnete ich den Mund der verbrannten Leiche aus der Ferne per levitieren. Hatte nur leider dabei vergessen TAZ vorzuwarnen, so dass ihr etwas die Gesichtsfarbe entwich, als sich der Mund von "Geisterhand" öffnete. Am Abend konnten wir mit Sicherheit sagen, dass die Leiche zu 100% nicht Markus – Marx – Wenz ist. Flipp traf sich wieder mit der Clique im Gorky Park und schaffte es allen Personen einen Peilsender und eine Wanze anzubringen. Die Misterdinger werden echt immer kleiner.
Wir verfolgten alle Member und konnten so die wahren Namen und Adressen ermitteln. Flipp und TAZ drangen in eine der Wohnungen ein und kopierten sich die Daten der Comlinks runter um an die Adresse von Chief zu kommen. Joe und ich warteten im Wagen und gaben den beiden nötigenfalls Rückendeckung. Mit der neuen Adresse ging es dann zu Chief in seine Wohnung. Leider fanden wir dort keine wichtigen Hinweise und Flipp schickte ihr "Jugendgang-Aufräum-Kommando" um die BTL Chips und die sonstigen Einrichtungsgegenstände zu "sichern".
Den Rest der kurzen Nacht verbrachten wir in der Limousine von Flipp. Ich musste relativ schnell eingeschlafen sein, denn meine Verwunderung war groß als ich aus dem Wagen stieg und im HQ der Lightwarriors stand. Scheinbar hatte Flipp den Wagen noch nach Hause gefahren. Frischmachen konnte ich mich auch unterwegs dachte ich mir und machte mich auf den Weg zu Wenz um ihm wieder Bericht zu erstatten. Unterwegs kippte ich mir noch ein paar Tassen Kaffee rein und warf mir ne Handvoll Wasser ins Gesicht.
Herr Wenz war über meinen Bericht und die Beweise zur Identität der Leiche erfreut aber auch schockiert über die schlampige Arbeit von Lonestar. Mitten in die Besprechung platzte Herr Rauner aus der Sicherheitsabteilung mit einem Schreiben, dessen Inhalt eine ganz neue Wendung brachte. Markus war entführt worden und es sollten 2 Millionen ¥ gezahlt werden um ihn lebendig wieder zu bekommen. Herr Wenz fragte mich sofort ob wir den Job übernehmen würden, das Lösegeld zu übergeben, da ausgerechnet heute Herr Schulte sich Urlaub wegen einer kranken Tante nehmen musste. Mein Misstrauen gegen diesen Zufall wies Herr Wenz energisch zurück, was mich umso hellhöriger werden ließ.
Ich trommelte das Team zusammen und wir stimmten nach einigen Verhandlungen zu, die beiden Cred-Sticks mit je einer Million zu übergeben. Der Koffer sollte von Herrn Wenz verwanzt werden umso eventuell auf die Spur der Entführer zu kommen. Primär hatte jedoch die Sicherheit seines Sohnes zu sein. Wir holten unsere Ausrüstung und verluden diese in einem Firmenwagen von Herrn Wenz, da dieser gepanzert war und wir für alle Fälle gerüstet sein wollten.
Die Übergabe sollte in einem alten Lagerhaus in Renton stattfinden. Ich sicherte den Astralraum in der Gegend und stieß über dem Lagerhaus auf einen Watcher der uns die Anweisungen gab, das Geld in der Halle auf den Tisch zu legen und in den Keller zu gehen. Ich teilte das dem Team mit und wir waren der einstimmigen Meinung, dass der Deal so nicht laufen würde, da wir keine Gewährleistungen hatten, dass Markus noch am Leben war.
Flipp verlieh mit ihrem unnachahmbarem Charm unserer Entscheidung Ausdruck und zerhackte den Tisch. Daraufhin sollten wir mit dem Geld in den Keller gehen. Ok, das war schon mal etwas besser, auch wenn ich mir vorkam wie eine Ratte in der Falle. Mein Gefühl ließ mich nicht im Stich, denn am Ende des Kellers erwartete uns nicht Markus, sondern Joes gefesselter Informant und eine ziemlich große Bombe. Joe befreite seinen Kameraden und TAZ machte sich an das Entschärfen der Bombe.
Flipp und ich rannten wieder zum Ausgang, zum einen um uns den Rückweg zu sichern und zum anderen – das war meine Hauptintention, um von dieser verdammten Bombe wegzukommen. Auf dem Weg sorgte ich dafür, dass Flipp und ich unsichtbar in die Halle stürmen konnten um eventuell Schützen, das Leben nicht unnötig einfach zu machen. Doch die Halle war leer, unser Wagen noch da und auch in den umliegenden Gebäuden konnte ich keine Scharfschützen ausmachen. Im Astralraum hatte sich niemand aufgehalten, selbst der Watcher war gebannt.
Kaum waren alle Member oben angekommen, Joes Kamerad nach einer kurzen Pause und Versorgung der Wunden verschwunden wollten wir uns das Tattoo Studio der Valküren vornehmen, da dies eindeutig ihre Handschrift trug. Wir erhielten daraufhin einen Anruf von Herrn Wenz, der ziemlich aufgebracht war. Zum Glück hatten wir uns vorher einen "Notfallplan" überlegt. Ich entnahm die Credsticks aus dem Koffer und warf diesen in ein Gebüsch auf dem Gelände. Die Sticks wanderten zwischen zwei Panzerlagen meiner Schutzweste.
Wir fuhren zu Herrn Wenz und uns wurde der Auftrag entzogen. Die Entführer waren wohl sauer, dass Ihre Bombe nicht hochgegangen war und drohten mit der Exekution von Markus wenn wir von dem Job nicht abgezogen werden. Somit hatten wir einen mächtigen Gegner des es auf uns abgesehen hatte und mussten erstmal untertauchen. Flipp und ich machten Wenz klar, dass wir die Übergabe ordnungsgemäß vollzogen hatten und verließen nach Auszahlung unserer Gage das Gebäude. Wir gaben dem Wachmann alle übrige Ausrüstung die wir erhalten hatten und wollten gerade gehen, als wir noch einmal aufgehalten wurden und zu Wenz zurück ins Büro geschickt wurden. Scheinbar war unser Unterschlagungsversuch nicht ganz aufgegangen. Doch es gab zum Glück nur ein paar kleine Nachfragen.
Wir fuhren mit Flipps Wagen vom Hof und TAZ und ich setzten uns dann schnell ab, jedes Duo erhielt einen der beiden Sticks. Treffpunkt sollte in 4 Wochen der alte Reichstag in Berlin – Deutschland sein. Seattle war jetzt eine Nummer zu heiß für uns. Wir holten bei mir und bei TAZ jeweils einen Notfallkoffer ab, scheinbar ist das wohl bei allen Runnern gleich, dass so was im Flur steht und machten uns auf zum Airport. Mein Commlink – meine Daten und meine ID als Finanzberater Matt Douglas flogen in die Mülltonne, zusammen mit allem was am Flughafen für Aufsehen sorgen würde – Ares Predator, Kampfanzug und einige Magazine.
TAZ und ich buchten die nächste Maschine nach Madrid, dies war der nächstbeste Flug nach Europa und so konnten wir unsere Spuren noch ein wenig besser verwischen.
